{"id":6649,"date":"2024-07-30T08:19:16","date_gmt":"2024-07-30T06:19:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.md-ra.de\/?p=6649"},"modified":"2024-07-30T08:19:16","modified_gmt":"2024-07-30T06:19:16","slug":"honoraraufstockungsklage-gegen-oeffentliche-auftraggeber-erfolgversprechend-bgh-beschluss-vom-14-02-2024-vii-zr-221-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.md-ra.de\/?p=6649","title":{"rendered":"Honoraraufstockungsklage gegen \u00f6ffentliche Auftraggeber erfolgversprechend &#8211; BGH, Beschluss vom 14.02.2024 \u2013 VII ZR 221\/22"},"content":{"rendered":"<p>Ob die zwingenden Mindest- und H\u00f6chsts\u00e4tze der HOAI 2009\/ 2013 nach der Entscheidung des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs <a href=\"https:\/\/www.md-ra.de\/?p=5869\">(EuGH, Urteil vom 04.07.2019 \u2013 Rs. C-377\/17)<\/a> noch von deutschen Gerichten angewendet werden d\u00fcrfen, erhitzte die Gem\u00fcter der Auftraggeber und Architekten immer dann, wenn der Architekt sein Honorar mit einer sogenannten Aufstockungsklage statt nach dem niedriger vereinbarten Pauschalhonorar nach den Mindests\u00e4tzen der HOAI 2009\/ 2013 abzurechnen versuchte.<\/p>\n<p>Nachdem der EuGH im Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland festgestellt hat, dass das zwingende Preisrecht der HOAI 2009\/ 2013 (u.\u2009a. zwingende Mindest-\/H\u00f6chsts\u00e4tze) gegen EU-Recht verst\u00f6\u00dft, stellte sich die F<a href=\"https:\/\/www.md-ra.de\/?p=5909\">rage, ob dieses zwingende Preisrecht der HOAI von einem deutschen Gericht noch angewandt werden darf oder ob es nicht so entscheiden m\u00fcsste<\/a>, als wenn diese Regelungen nicht existent w\u00e4ren. Sofern die Gerichte das zwingende Preisrecht noch anwenden d\u00fcrfen, k\u00f6nnten Architekten sich bei ihrer Schlussrechnung auf die zwingenden HOAI-Mindests\u00e4tze berufen und damit ihr einst niedriger vereinbartes Pauschalhonorar teilweise verdoppeln. Vom EuGH erging sodann eine weitere Entscheidung <a href=\"https:\/\/www.md-ra.de\/?p=6092\">(EuGH, Urteil vom 18.01.2022 \u2013 Rs. C-261\/20, so auch BGH, Urteil vom 02.06.2022 \u2013 VII ZR 229\/19)<\/a>, wonach zumindest in Vertragsverh\u00e4ltnissen zwischen Privaten ohne EU-Auslandsber\u00fchrung noch das zwingende HOAI\u00ad-Preisrecht angewandt werden darf. In diesen Konstellationen war der Weg f\u00fcr die Aufstockungsklagen damit (wieder) frei. Die deutsche Rechtsprechung erkl\u00e4rte dies jedoch nicht f\u00fcr Vertragsverh\u00e4ltnisse mit \u00f6ffentlichen Auftraggebern anwendbar. Daher wurde vertreten, dass Aufstockungsklagen gegen den \u00f6ffentlichen Auftraggeber nicht m\u00f6glich seien, da in diesen Vertragsverh\u00e4ltnissen das zwingende Preisrecht der HOAI nicht mehr angewendet werden d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>Der BGH hat nun auch f\u00fcr diese Konstellation entschieden, dass das zwingende Preisrecht der HOAI 2009\/ 2013 \u2013 soweit einschl\u00e4gig \u2013 anzuwenden sei. Der BGH begr\u00fcndete dies damit, dass sich ein Staat (und alle dazugeh\u00f6renden Subjekte) bei einer gegen ihn gerichteten Aufstockungsklage nicht zu seinem Vorteil auf die unmittelbare Wirkung der EU-Richtlinie berufen kann, weil er selbst es unterlassen habe, diese in deutsches Recht umzusetzen. Anderenfalls k\u00f6nne er aus einer Pflichtverletzung einen Vorteil f\u00fcr sich ziehen, was abzulehnen sei. Wenn sich ein Staat auf die EU-Richtlinie berufen m\u00f6chte, dann muss er diese vorher auch in eigenes Recht umsetzen, so der BGH. Damit sind Aufstockungsklagen auch gegen \u00f6ffentliche Auftraggeber erfolgversprechend, sofern die HOAI 2009\/ 2013 Anwendung findet. Ein erheblicher Gewinn f\u00fcr Architekten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob die zwingenden Mindest- und H\u00f6chsts\u00e4tze der HOAI 2009\/ 2013 nach der Entscheidung des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs (EuGH, Urteil vom 04.07.2019 \u2013 Rs. C-377\/17) noch von deutschen Gerichten angewendet werden d\u00fcrfen, erhitzte die Gem\u00fcter der Auftraggeber und Architekten immer dann, wenn der Architekt sein Honorar mit einer sogenannten Aufstockungsklage statt nach [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6649","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rechtsreport"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6649","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6649"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6649\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6650,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6649\/revisions\/6650"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6649"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6649"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6649"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}