{"id":6224,"date":"2022-10-19T23:02:42","date_gmt":"2022-10-19T21:02:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.md-ra.de\/?p=6224"},"modified":"2022-12-01T22:53:59","modified_gmt":"2022-12-01T20:53:59","slug":"die-empfohlene-gruendungsvariante-muss-zu-den-bodenverhaeltnissen-passen-olg-muenchen-urteil-vom-27-01-2021-27-u-4417-19-bau-bgh-beschluss-vom-26-01-2022-vii-zr-197-21-nichtzulassungsbeschwe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.md-ra.de\/?p=6224","title":{"rendered":"Die empfohlene Gr\u00fcndungsvariante muss zu den Bodenverh\u00e4ltnissen passen &#8211; OLG M\u00fcnchen, Urteil vom 27.01.2021 &#8211; 27 U 4417\/19; BGH, Beschluss vom 26.01.2022 &#8211; VII ZR 197\/21 (Nichtzulassungsbeschwerde zur\u00fcckgewiesen)"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:977.6px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-blend:overlay;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:0px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p>Wieder einmal hat sich ein Gericht mit der Frage zu befassen gehabt, welche Beratungs- und Betreungspflichten ein Planer zu erf\u00fcllen hat. In den Leits\u00e4tzen des Urteils des OLG M\u00fcnchen vom 27.01.2021 &#8211; 27 U 4417\/19 steht:<\/p>\n<p>1. Wer mit der geologischen Beratung und Betreuung eines Bauvorhabens beauftragt ist, muss dem Auftraggeber eine geeignete Gr\u00fcndungsvariante vorschlagen.<br \/>\n2. Auf Risiken der vorgeschlagenen Gr\u00fcndungsvariante bei den vorhandenen Bodenverh\u00e4ltnissen muss der Auftraggeber ausdr\u00fccklich hingewiesen werden.<br \/>\n3. Der Auftraggeber darf der Empfehlung eines Bodengutachters<\/p>\n<p>Das Urteil reiht sich ein in eine Vielzahl gleich gelagerter Entscheidungen in der bisherigen Rechtsprechung.<\/p>\n<p>Worum ging es vorliegend?<\/p>\n<p>Der Bauherr beauftragte einen Ingenieur mit der geologische Beratung und Betreuung seines Bauvorhabens. Der Ingenieur empfahl eine Gr\u00fcndungsvariante &#8211; R\u00fcttelortbetons\u00e4ulen &#8211; vor. Diese Variante ist f\u00fcr den vorhandenen Bodenaufbau nicht geeignet. Die eingebrachten S\u00e4ulen verformen sich infolge der Beschaffenheit des Untergrundes und des Wasser\u00fcberdrucks, der beim Einr\u00fctteln entstand. Der Bauherr verlangte daraufhin vom Ingenieur Schadensersatz. Der Ingenieur verteidigte sich damit, dass den Bauherrn ein Mitverschulden treffe, weil er weitergehende Untersuchungen unterlassen habe und auch Ausf\u00fchrungsfehler vorliegen sollen.<\/p>\n<p>Ohne Erfolg! Der Ingenieur haftet auf Schadensersatz. Zwischen den Parteien ist ein Werkvertrag zu Stande gekommen, den der Ingenieur mangelhaft erf\u00fcllt hat. Das Fehlverhalten des Ingenieurs war relativ offenkundig. Die von ihm empfohlene Gr\u00fcndungsvariante mittels R\u00fcttelortbetons\u00e4ulen war ungeeignet und damit mangelhaft. Der Ingenieur schuldet als werkvertraglichen Erfolg die Empfehlung einer unproblematisch <i>geeigneten<\/i> Gr\u00fcndungsvariante. Seine Empfehlung war nicht geeignet. Die eingebrachten S\u00e4ulen verformten sich und wiesen Einschn\u00fcrungen auf, was auf das wasserges\u00e4ttigte Sand-Schluff-Gemisch des Untergrundes und den damit einhergehenden Porenwasser\u00fcberdruck zur\u00fcckzuf\u00fchren war. An dieser Bewertung \u00e4nderte auch der Einwand nichts, der Untergrund sei heterogen. Es ist &#8211; so das OLG M\u00fcnchen &#8211; die Aufgabe des Ingenieurs gewesen, das aufzukl\u00e4ren und sachgerechte Schlussfolgerungen zu ziehen. Er h\u00e4tte zumindest weitere Aufschl\u00fcsse empfehlen m\u00fcssen. Ein Bauherr wei\u00df in aller Regel nicht, ob und wann ein Boden &#8222;heterogen&#8220; ist und ob die erfolgten Erkundungen ausreichen. Hier gibt es nur zwei M\u00f6glichkeiten. Entweder reichen die Erkundungen aus. Oder der Ingenieur muss Bedenken mitteilen, um die gesetzliche Verschuldensvermutung (\u00a7 280 Abs. 1 Satz 2 BGB) auszur\u00e4umen. Vorliegend wurden die Bodenaufschl\u00fcsse falsch interpretiert, was zu einer mangelhaften Gr\u00fcndungsempfehlung f\u00fchrte. Etwaige Bedenken diesbez\u00fcglich teilte der Ingenieur auch nicht mit. Der Ingenieur haftet folglich auf den hieraus beim Bauherrn entstandenen Schaden (\u00a7\u00a7 634 Nr. 4, 280 BGB). Ein Mitverschulden des Auftraggebers und damit eine &#8222;K\u00fcrzung&#8220; des Anspruchs auf Schadensersatz nach \u00a7 254 BGB war nicht feststellbar. Ein Bauherr darf auf die Empfehlung des Ingenieurs vertrauen. Er hatte keinen Anlass, weitere Untersuchungen vornehmen zu lassen.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-6224","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rechtsreport"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6224","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6224"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6224\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6224"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6224"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6224"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}