{"id":5913,"date":"2019-11-14T11:00:29","date_gmt":"2019-11-14T09:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.md-ra.de\/?p=5913"},"modified":"2019-11-14T11:07:28","modified_gmt":"2019-11-14T09:07:28","slug":"landgericht-muenchen-nach-eugh-urteil-vom-04-07-2019-az-5-o-13187-19-ist-auch-der-hoai-umbauzuschlag-unionsrechtswidrig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.md-ra.de\/?p=5913","title":{"rendered":"Landgericht M\u00fcnchen: Nach EuGH-Urteil vom 04.07.2019 &#8211; 5 O 13187\/19 &#8211; soll auch der HOAI-Umbauzuschlag unionsrechtswidrig sein"},"content":{"rendered":"<p>Das LG M\u00fcnchen I hat mit Beschluss vom 24.09.2019 &#8211; 5 O 13187\/19 &#8211; auf der Grundlage des EuGH-Urteils vom 04.072019 entschieden:<\/p>\n<p>1. Aufgrund des Anwendungsvorrangs des Unionsrechts sind die nationalen Gerichte verpflichtet, die f\u00fcr unionsrechtswidrig erkl\u00e4rten Regelungen der HOAI zu den Mindests\u00e4tzen nicht mehr anzuwenden.<\/p>\n<p>2. Die Mindests\u00e4tze der HOAI sind auch nicht zwingend die \u201e\u00fcbliche Verg\u00fctung&#8220; nach \u00a7 632 Abs. 2 BGB.<\/p>\n<p>3. Der Umbauzuschlag nach \u00a7 6 Abs. 2 Satz 4 HOAI dient der Durchsetzung der Mindestpreisgarantie und ist deshalb ebenso unanwendbar.<\/p>\n<p><em>Problem\/Sachverhalt<\/em><\/p>\n<p>Der Auftragnehmer (AN) wurde durch den Auftraggeber (AG) mit den Gewerken Heizung, L\u00fcftung, Sanit\u00e4r (HLS) und Elektrotechnik im Rahmen der Sanierung und des Dachausbaus eines H\u00e4userblocks beauftragt. Der AN wollte im Wege der einstweiligen Verf\u00fcgung eine Eintragung einer Vormerkung zur Sicherung seines Anspruchs erwirken. Er st\u00fctzte seinen Anspruch auf die schriftlichen Vereinbarungen, teils auf die HOAI unter Einbeziehung eines Umbauzuschlags i. H. v. 20 Prozent und zog bereits geleistete Zahlungen ab. Der AN meint, dass hinsichtlich der Gewerke ohne schriftliche Vereinbarung die Mindests\u00e4tze nach der HOAI nach wie vor anwendbar seien und macht das nach der HOAI berechnete Honorar als Forderung geltend.<\/p>\n<p><em>Entscheidung<\/em><\/p>\n<p>Das LG M\u00fcnchen I ist mit dem OLG Celle (Urteil vom 17.07.2019 &#8211; 14 U 188\/18 &#8211; sowie dem OLG D\u00fcsseldorf (Urteil vom 17.09.2019 &#8211; 23 U 155\/18 -) der Auffassung, dass aufgrund des EuGH-Urteils vom 04.07.2019 die Mindests\u00e4tze nach der HOAI unanwendbar sind. Mit der Feststellung des EuGH zur Unionsrechtswidrigkeit der Mindests\u00e4tze nach der HOAI gehe eine Pflicht der deutschen Gerichte einher, das unionsrechtswidrige Preisrecht unangewendet zu lassen. Dies schlie\u00dfe auch die Regelung nach \u00a7 6 Abs. 2 Satz 4 HOAI (&#8222;<em>Sofern keine schriftliche Vereinbarung<\/em> (Anm.: zum Umbauzuschlag) <em>getroffen wurde, wird unwiderleglich vermutet, dass ein Zuschlag von 20 Prozent ab einem durchschnittlichen Schwierigkeitsgrad vereinbart ist<\/em>.&#8220;) zum Umbauzuschlag ein, da diese der Durchsetzung der Mindestpreisgarantie diene. Auch seien die Mindests\u00e4tze der HOAI nicht als die \u00fcbliche Verg\u00fctung nach \u00a7 632 Abs. 2 BGB anzusehen. Erforderlich sei eine Ermittlung des Honorars im Wege eines Sachverst\u00e4ndigengutachtens.<\/p>\n<p>Welchen Massstab ein Sachverst\u00e4ndiger zugrunde legen k\u00f6nnte, blieb in der Entscheidung des Landgericht M\u00fcnchen I freilich offen.<\/p>\n<p>Es bleibt also spannend!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das LG M\u00fcnchen I hat mit Beschluss vom 24.09.2019 &#8211; 5 O 13187\/19 &#8211; auf der Grundlage des EuGH-Urteils vom 04.072019 entschieden: 1. Aufgrund des Anwendungsvorrangs des Unionsrechts sind die nationalen Gerichte verpflichtet, die f\u00fcr unionsrechtswidrig erkl\u00e4rten Regelungen der HOAI zu den Mindests\u00e4tzen nicht mehr anzuwenden. 2. 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