{"id":5899,"date":"2019-10-02T16:33:04","date_gmt":"2019-10-02T14:33:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.md-ra.de\/?p=5899"},"modified":"2022-09-23T17:21:57","modified_gmt":"2022-09-23T15:21:57","slug":"honorarvereinbarung-und-eu-rechtswidriges-hoai-preisrecht-grundsaetzlich-keine-nachforderung-auf-basis-der-mindestsaetze-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.md-ra.de\/?p=5899","title":{"rendered":"Honorarvereinbarung und EU-rechtswidriges HOAI-Preisrecht: Grunds\u00e4tzlich keine Nachforderung auf Basis der Mindests\u00e4tze mehr!"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:977.6px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:0px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><p>Das OLG Hamm meinte im Urteil vom 23.07.2019 &#8211; 21 U 24\/18, dass sich eine Partei in einem laufenden Honorarprozess auch nach dem Urteil des EuGH vom 04.07.2019 (EuGH, Urteil vom 04.07.2019 &#8211; C-377\/17) auf eine Unter- oder \u00dcberschreitung der Mindest- oder H\u00f6chsts\u00e4tze des \u00a7 7 HOAI berufen d\u00fcrfe.<\/p>\n<ul>\n<li>Wurde eine Honorarvereinbarung nicht in Einklang mit \u00a7 7 Abs. 3 HOAI getroffen, so habe dies nach Ansicht des OLG Hamm die Konsequenz, dass der Mindestsatz nach \u00a7 7 Abs. 5 HOAI abgerechnet werden k\u00f6nne.<\/li>\n<li>Das OLG Hamm meint wohl sogar, dass das EuGH vom Urteil vom 04.07.2019 &#8211; C-377\/17 gar nicht zur Unanwendbarkeit der Mindests\u00e4tze des \u00a7 7 HOAI f\u00fchre. Das Urteil des EuGH solle nur den betroffenen Mitgliedstaat binden. Dieser habe nach eigenem Ermessen geeignete Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um den europarechtswidrig (besser: unionsrechtswidrig) Zustand abzustellen. F\u00fcr den einzelnen Unionsb\u00fcrger soll von dem Urteil keine Rechtswirkung ausgehen.<\/li>\n<li>Jedenfalls \u00e4ndere die Feststellung der Europarechtswidrigkeit nichts daran, dass zum Zeitpunkt des Versto\u00dfes die HOAI zu beachten gewesen sei. Denn es g\u00e4be insofern keine R\u00fcckwirkung. Auch f\u00e4nde die Verpflichtung des nationalen Richters, bei der Auslegung und Anwendung der einschl\u00e4gigen Vorschriften des innerstaatlichen Rechts den Inhalt einer Richtlinie unmittelbar heranzuziehen, ihre Schranken in den allgemeinen Rechtsgrunds\u00e4tzen.*<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zumindest die Begr\u00fcndung diese Entscheidung d\u00fcrfte unzutreffend sein. Denn die nationalen Gerichte d\u00fcrfen wegen des Anwendungsvorrangs des Europarechts (besser: Unionsrecht) die f\u00fcr unionsrechtswidrig erkannte Regelung nicht anwenden, wie das OLG Celle im Urteil vom 17.07.2019 &#8211; 14 U 188\/18 und im Urteil vom 23.07.2019 &#8211; 14 U 182\/18 erkannte.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Rechtsprechung des EuGH ist keine Rechtsetzung, die zur\u00fcckwirken kann. Vielmehr hat der EuGH nur das Recht, die unmittelbare Anwendbarkeit der nicht umgesetzten EU-Richtlinie zu erkennen. Hier muss man sich an die Gewaltenteilung halten und darf den &#8211; manchmal rechtsfortbildenden &#8211; EuGH nicht mit dem Argument einer Rechtssch\u00f6pfung zum Gesetzgeber machen wollen, zumal es hier nur um eine Rechtsauslegung ging. Schon vor dem EuGH-Urteil wurde fast \u00fcberwiegend vertreten, dass die Unter- oder \u00dcberschreitung der Mindest- oder H\u00f6chsts\u00e4tze des \u00a7 7 HOAI unionsrechtswidrig ist.<\/li>\n<li>Die nationalen Gerichte sind verpflichtet, die Beachtung der EU-Richtlinie sicherzustellen. Es ist nicht erforderlich, dass zuvor unionsrechtswidrige nationale Gesetze oder Verordnungen aufgehoben werden. Es gilt der Grundsatz des Anwendungsvorrangs des Unionsrechts.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das ber\u00fccksichtigt auch die Stellungnahme des Bundesministeriums f\u00fcr Wirtschaft und Energie vom 04.07.2019. Dessen Rechtsansicht l\u00e4sst sich wie folgt zusammenfassen:<\/p>\n<ol>\n<li>Die Mindest- und H\u00f6chsts\u00e4tze der HOAI sind unionsrechtswidrig (EuGH, Urteil vom 04.07.2019 &#8211; C-377\/17). Wegen des Anwendungsvorranges des Europarechts sind die Gerichte verpflichtet, diese unionsrechtswidrig Regelungen der HOAI nicht mehr anzuwenden.<\/li>\n<li>Damit ist auch die Mindestsatzfiktion des \u00a7 7 Abs. 5 HOAI gegenstandslos.<\/li>\n<li>Die EU-Richtlinie hat in laufenden Verfahren und bestehenden Vertragsverh\u00e4ltnissen Vorrang vor dem abweichenden nationalen Preisrecht.<\/li>\n<li>Honorarvereinbarungen sind also nicht deshalb unwirksam, weil sie die Mindests\u00e4tze der HOAI unterschreiten oder deren H\u00f6chsts\u00e4tze \u00fcberschreiten. Infolge der EU-Richtlinien ist keine Honorarvereinbarung an den Mindest- und H\u00f6chsts\u00e4tzen der HOAI zu messen. Honorarvereinbarungen, die das Preisrecht der HOAI ignorieren, sind wirksam.<\/li>\n<\/ol>\n<p>*Das Urteil des OLG Hamm kann aber als Einzelfallentscheidung dennoch gerechtfertigt werden, soweit es den Vertrauensschutz der vertragschlie\u00dfenden Parteien im konkreten Sachverhalt im Fokus hatte. Denn bis zur Entscheidung des EuGH war gemeinhin nicht bekannt, dass durch die EU-Dienstleistungsrichtlinie das nationale Mindest- und H\u00f6chstpreisrecht der HOAI au\u00dfer Anwendung gesetzt worden war.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[150],"class_list":["post-5899","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rechtsreport","tag-unter-oder-ueberschreitung-der-mindest-oder-hoechstsaetze-des--7-hoai"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5899","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5899"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5899\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5899"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5899"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.md-ra.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5899"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}