{"id":4622,"date":"2008-01-12T20:51:40","date_gmt":"2008-01-12T18:51:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.md-ra.de\/?p=4622"},"modified":"2013-05-12T21:01:58","modified_gmt":"2013-05-12T19:01:58","slug":"rechtsreport-januar-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.md-ra.de\/?p=4622","title":{"rendered":"Rechtsreport Januar 2008"},"content":{"rendered":"<p><strong>Themen<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Preisanpassung wegen verschobenen Zuschlags<\/li>\n<li>Kostentragung f\u00fcr M\u00e4ngelpr\u00fcfung<\/li>\n<li>Neue Schwellenwerte 2008\/2009<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Aktuelle Rechtsprechung<\/h3>\n<address>Dr. Uwe Diehr (Potsdam)<\/address>\n<ul>\n<li><strong><\/strong> Der Bauherr muss einer <strong>Preisanpassung wegen ver\u00e4nderter Materialkosten<\/strong> zustimmen, wenn diese auf Verz\u00f6gerungen im Rahmen eines Nachpr\u00fcfungsverfahrens gem\u00e4\u00df \u00a7 97 Abs. 7 GWB nach Ablauf der urspr\u00fcnglichen Bindefrist zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Diese Verpflichtung folgt aus den Grunds\u00e4tzen \u00fcber den Wegfall der Gesch\u00e4ftsgrundlage und der die Bauparteien verbindende Pflicht zur Kooperation,\u00a0\u00a7\u00a7 242, 313 BGB,\u00a0\u00a7 97 Abs. 7 GWB,\u00a0\u00a7\u00a7 18, 19, 22, 24 Nr. 3, \u00a7 25 Nr. 1 VOB\/A und\u00a0\u00a7 2 Nr. 5 VOB\/B (Kammergericht Berlin 5.10.2007 21 U 52\/07).<\/li>\n<\/ul>\n<address>\u00a0Zum Problem ausf\u00fchrlich:<\/address>\n<address>Diehr: Der Gestaltungsspielraum des \u00f6ffentlichen Auftraggebers bei\u00a0 verschobenem Zuschlag\u00a0nach\u00a0Bindefristverl\u00e4ngerung, in: ZfBR Zeitschrift f\u00fcr deutsches und internationales Bau- und\u00a0Vergaberecht, Jg.: 30, Nr.7, 2007, Seite 657-661<\/address>\n<address>Diehr: Die Anspr\u00fcche des Werkunternehmers gegen den \u00f6ffentlichen Auftraggeber wegen\u00a0verz\u00f6gerten Zuschlags infolge eines von einem Konkurrenten eingeleiteten Vergabe &#8211;\u00a0Nachpr\u00fcfungsverfahrens &#8211; ein Beispiel der vor- und vertraglichen Kooperationsverpflichtung -,\u00a0\u00a0ZfBR 2002, S. 316 ff.<\/address>\n<ul>\n<li>\u00a0Ein Besteller, der wegen eines Baumangels die Bezahlung des Werklohns verweigert, braucht auch nach Einf\u00fchrung des \u00a7 641 Abs. 3 BGB durch das Gesetz zur Beschleunigung f\u00e4lliger Zahlungen vom 30. M\u00e4rz 2000 nicht zur H\u00f6he der M\u00e4ngelbeseitigungskosten vorzutragen (BGH 6.12.2007 VII ZR 125\/06; Fortf\u00fchrung BGH, Urteil vom 4. Juli 1996 &#8211; VII ZR 125\/95, BauR 1997, 133, 134 = ZfBR 1997, 31). Ist der Auftraggeber nach \u00a7 17 Nr. 8 Satz 2 VOB\/B berechtigt,\u00a0den noch nicht erf\u00fcllten Leistungen\u00a0entsprechenden Teil eines Bareinbehalts zur\u00fcckzuhalten, bestimmt sich dieser, in\u00a0H\u00f6he des Wertes dieser ausstehende Leistungen.<\/li>\n<li>Die gem\u00e4\u00df \u00a7 649 Satz 2 BGB oder \u00a7 8 Nr. 1 Abs. 2 VOB\/B nach freier K\u00fcndigung eines Bauvertrages zu zahlende Verg\u00fctung ist nur insoweit Entgelt im Sinne von \u00a7 10 Abs. 1 UStG und damit Bemessungsgrundlage f\u00fcr den gem\u00e4\u00df \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG steuerbaren Umsatz, als sie auf schon erbrachte Leistungsteile entf\u00e4llt (BGH 22.11.2007 VII ZR 83\/05 = Best\u00e4tigung von BGH, Urteil vom 4. Juli 1996 &#8211; VII ZR 227\/93, BauR 1996, 846 = NJW 1996, 3270; Urteil vom 2. Juni 1987 &#8211; X ZR 39\/86, BGHZ 101, 130).<\/li>\n<li>Auch wenn eine Erf\u00fcllungsb\u00fcrgschaft ausdr\u00fccklich Anspr\u00fcche auf Erstattung von \u00dcberzahlungen sichert, deckt sie den R\u00fcckerstattungsanspruch hinsichtlich einer \u00dcberzahlung nicht ab, die auf einer in einer Interimsvereinbarung nach Schlussrechnungserteilung vereinbarten Sonderzahlung beruht (Th\u00fcringer OLG 20.12.2007 1 U 409\/07).<\/li>\n<\/ul>\n<h3>\u00a0Wer hat die Kosten f\u00fcr die Pr\u00fcfung von M\u00e4ngeln zu tragen?<\/h3>\n<address>Stellungnahme von Dr. Ronald Roos (<a href=\"http:\/\/www.rsg-rechtsanwaelte.com\/\" target=\"_blank\">RSG Rechtsanw\u00e4lte<\/a>)<\/address>\n<p>\u00a0Zur Frage, wer M\u00e4ngelbeseitigungs- bzw. M\u00e4ngelpr\u00fcfungskosten zu tragen hat, wenn sich herausstellt, da\u00df M\u00e4ngel nicht vorliegen, gibt es nur relativ wenige Entscheidungen verschiedener Oberlandes- bzw. Landgerichte:<\/p>\n<ol>\n<li>Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat in einem Urteil vom 13.05.2003 &#8211; 17 U 193\/02, BauR 2003, 1241 festgehalten, da\u00df der Unternehmer, wenn er aufgrund einer unberechtigten M\u00e4ngelr\u00fcge den Untersuchungsaufwand hat, Kostenerstattung verlangen kann, wenn er seinen Auftraggeber zuvor darauf hingewiesen und seine T\u00e4tigkeit davon abh\u00e4ngig gemacht hat, da\u00df im Falle der Feststellung der Mangelfreiheit seines Gewerkes seine Kosten zu erstatten sind.<\/li>\n<li>Im Grundsatz gilt allerdings nach Auffassung des Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf, Urteil vom 18.12.1998 &#8211; 22 U 148\/98, BauR 1999, 919, da\u00df der Unternehmer Aufwendungen, die aufgrund einer unberechtigten M\u00e4ngelr\u00fcge f\u00fcr erforderlich halten durfte, nur dann gegen\u00fcber dem Bauherren geltend machen kann, wenn die M\u00e4ngelr\u00fcge ohne jeglichen erkennbaren Anla\u00df erhoben wurde.<\/li>\n<li>Etwas anders sieht dies das Landgericht Hamburg mit Urteil vom 05.03.1992 &#8211; 308 S 209\/91, NJW-RR 1992, 1301. Danach haftet der Auftraggeber, wenn er unberechtigte M\u00e4ngel r\u00fcgt, dem Auftragnehmer f\u00fcr die vergeblichen Kosten der M\u00e4ngeluntersuchung. Dies gelte jedenfalls dann, wenn der Mangel nach der Abnahme auftritt, da nach der Abnahme der Auftraggeber darlegen und beweisen mu\u00df, da\u00df ein Mangel des Auftragnehmers vorliegt.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Erg\u00e4nzung\u00a0von Dr. Diehr:<\/strong> F\u00fcr das Kaufvertragsrecht hat der BGH,\u00a08. Zivilsenat, Urteil vom 23.01.2008, Aktenzeichen: VIII ZR 246\/06 = NJW 2008, 1147-1148 erkannt, dass ein unberechtigtes Mangelbeseitigungsverlangen des K\u00e4ufers nach \u00a7 439 Abs. 1 BGB\u00a0eine zum Schadensersatz verpflichtende schuldhafte Vertragsverletzung darstellt, wenn der K\u00e4ufer erkannt oder fahrl\u00e4ssig nicht erkannt hat, dass ein Mangel der Kaufsache nicht vorliegt, sondern die Ursache f\u00fcr das Symptom, hinter dem er einen Mangel vermutet, in seinem eigenen Verantwortungsbereich liegt<\/p>\n<h3><strong><\/strong> Neue Schwellenwerte f\u00fcr die Jahre 2008\/2009<\/h3>\n<address>Dr. Mestwerdt (Potsdam)<\/address>\n<p>Gerade hatte man sich mit der VOB\/A 2006, VOL\/A 2006 an die ge\u00e4nderten Schwellenwerte gew\u00f6hnt. Danach waren Bauleistungen ab einer Netto-Auftragssummer von 5.278.000,- \u20ac europaweit auszuschreiben. F\u00fcr Liefer- und Dienstleistungen galt ein Schwellenwert von 211.000,- \u20ac. Aufgrund der anhaltenden Dollar-Schw\u00e4che gelten seit dem 01. Januar 2008 abermals andere Schwellenwerte! Nach Art. 78 der Vergabekoordinierungsrichtlinie und Art. 69 der sog. Sektorenrichtlinie setzt die EU-Kommission die Schwellenwerte unter Ber\u00fccksichtigung der ver\u00e4nderten Relation zwischen Euro und den Dollar-basierten sog. Sonderziehungsrechten alle zwei Jahre fest.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Jahre 2008 und 2009 hat die EU-Kommission die neuen Werte am 04. Dezember 2007 bekannt gemacht (Abl. EU Nr. L 317 vom 05. Dezember 2007, Seite 34). Aufgrund der anhaltenden Dollar-Schw\u00e4che sind die Schwellenwerte erneut gesunken!<\/p>\n<p><strong>Sie betragen jetzt:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>5.150.000,- \u20ac (zuvor 5.278.000,- \u20ac) f\u00fcr Bauvergaben durch klassische wie durch\u00a0<\/strong><strong>Sektoren-<\/strong><strong>Auftraggeber (\u00a7 2 Nr. 4 VgV);<\/strong><\/li>\n<li><strong>133.000,- \u20ac (zuvor 137.000, \u20ac) f\u00fcr Liefer- und Dienstleitungsvergaben des\u00a0Bundes\u00a0<\/strong><strong> (\u00a7 2 Nr. 2 VgV);<\/strong><\/li>\n<li><strong>206.000,- \u20ac (zuvor 211.000,- \u20ac) f\u00fcr alle anderen Liefer- und\u00a0\u00a0 Dienstleistungsaufgaben\u00a0<\/strong><strong>klassischer \u00f6ffentlicher Auftraggeber (\u00a7 2 Nr. 3 VgV);<\/strong><\/li>\n<li><strong>412.000,- \u20ac (zuvor 422.000,- \u20ac) f\u00fcr Liefer- und Dienstleistungsvergabe durch<\/strong><strong>\u00a0Sektoren-Auftraggeber (\u00a7 2 Nr. 1 VgV).<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die neuen Schwellenwerte sind in einer EU-Verordnung zur \u00c4nderung der Vergabekoordinierungs- und der Sektorenrichtlinie enthalten. Sie sind am 01. Januar 2008 in Kraft getreten. Da EU-Verordnungen unmittelbar rechtsverbindlich sind, gelten die neuen Schwellenwerte ab dem genannten Zeitpunkt, auch wenn der \u00a7 2 VgV erst sp\u00e4ter entsprechend angepasst wird.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Themen Preisanpassung wegen verschobenen Zuschlags Kostentragung f\u00fcr M\u00e4ngelpr\u00fcfung Neue Schwellenwerte 2008\/2009 Aktuelle Rechtsprechung Dr. Uwe Diehr (Potsdam) Der Bauherr muss einer Preisanpassung wegen ver\u00e4nderter Materialkosten zustimmen, wenn diese auf Verz\u00f6gerungen im Rahmen eines Nachpr\u00fcfungsverfahrens gem\u00e4\u00df \u00a7 97 Abs. 7 GWB nach Ablauf der urspr\u00fcnglichen Bindefrist zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. 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